Wie wird SCAD diagnostiziert?

Die Diagnose der spontanen Koronararteriendissektion (SCAD) erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Beurteilung, bildgebenden Verfahren und spezifischen Tests.
Nachfolgend sind die gängigen Verfahren zur Diagnose aufgeführt:
Neben Fragen zu den akuten Beschwerden wird die medizinische Vorgeschichte, einschließlich möglicher Risikofaktoren und vorangegangener Erkrankungen der Patientinnen und Patienten erfasst. SCAD tritt häufig bei jüngeren Menschen ohne klassische Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten auf, überwiegend bei Frauen. Eine ausführliche Anamnese und klinische Beurteilung sind entscheidend.
Ein wichtiges Instrument ist das Elektrokardiogramm (EKG), bei dem die Herzströme aufgezeichnet werden. So können Veränderungen bereits auf eine Minderdurchblutung (Ischämie) oder einen Herzinfarkt hinweisen. Es ist jedoch nicht möglich, anhand eines EKGs zwischen einem atherosklerotischen Herzinfarkt und einer SCAD zu unterscheiden. In manchen Fällen zeigt das EKG auch keine Auffälligkeiten, obwohl eine SCAD vorliegt. Somit sind immer weitere diagnostische Verfahren notwendig.
Bei einer Schädigung des Herzmuskels werden verschiedene Eiweiße (Proteine) ins Blut freigesetzt. Der wichtigste Herzmarker ist das Troponin, das aufgrund seiner Sensitivität auch minimale Herzmuskelschäden erfassen kann. Der Troponin-Wert steigt etwa 3 bis 8 Stunden nach einer Herzmuskelschädigung an und erreicht seinen Höchstwert meist nach 24 bis 48 Stunden. Noch nach Tagen bis sogar mehreren Wochen nach dem Ereignis können die Werte nachweisbar erhöht sein. Daher sind in der Regel mehrere Messungen über einen Zeitraum von 6 bis 12 Stunden notwendig. Diese Blutuntersuchungen stellen einen wichtigen Baustein dar, reichen aber allein für die Diagnose von SCAD nicht aus.
Diese Herzkatheteruntersuchung ist das wichtigste Verfahren zur Diagnose von SCAD und muss bei Vorliegen eines Herzinfarktes erfolgen. Bei der Koronarangiographie wird ein dünner Schlauch, der sogenannte Katheter, am Handgelenk oder der Leiste durch die arteriellen Blutgefäße bis zu den Koronararterien eingeführt. Anschließend wird ein Kontrastmittel injiziert, um das Arterienlumen auf Röntgenbildern sichtbar zu machen. So lassen sich Verengungen, Verschlüsse und Dissektionen erkennen. Die Koronarangiographie ist entscheidend, da sie die Grundlage für die Diagnose und die Behandlung von SCAD bildet. Sie birgt jedoch auch Risiken, wie zum Beispiel allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel oder die Gefahr von Gefäßverletzungen.
Zur Ergänzung der Koronarangiographie kann bei der intravaskulären Ultraschalluntersuchung (IVUS) ein kleiner Ultraschallkopf über einen Katheter in die Koronararterien eingeführt werden. Diese Methode ermöglicht die Erfassung detaillierter Querschnittbilder der Gefäßwand, wodurch Risse der Intima oder intramurale Hämatome sichtbar gemacht werden können. Allerdings ist die Anwendung von IVUS aufwendiger und kann zusätzliche Risiken mit sich bringen, wie zum Beispiel Gefäßverletzungen oder Thrombusbildungen. IVUS sollte in Fällen eingesetzt werden, in denen die Koronarangiographie nicht ausreichend Informationen liefert oder wenn eine genauere Beurteilung der Gefäßwand erforderlich ist.
Bei der optischen Kohärenztomographie (OCT) wird ebenfalls über einen Katheter ein optischer Sensor in die Koronararterien eingeführt. Dieser Sensor nutzt Licht im nahen Infrarotbereich, um hochauflösende Bilder der Gefäßwand zu erzeugen. Die Rotation des Sensors innerhalb des Katheters ermöglicht die Erstellung eines Rundumbildes des Querschnitts der Arterie und wird durch das Zurückziehen des Katheters zu einer Bilderserie. Mit Hilfe von spezieller Software entstehen aus den Daten zweidimensionale Querschnittsbilder oder eine dreidimensionale Rekonstruktion des Gefäßes, die eine detaillierte Untersuchung der Gefäßwand ermöglichen. Dies ist für SCAD-Betroffene besonders bedeutsam, da hierdurch auch das Ausmaß der Dissektion oder des Einrisses erfasst werden können. Dennoch birgt die OCT einige Risiken, darunter die Möglichkeit von Gefäßverletzungen und die Notwendigkeit des Einsatzes von Kontrastmitteln, die problematisch sein können. OCT sollte nur angewendet werden, wenn eine hochauflösende Bildgebung der Gefäßwand erforderlich ist und die möglichen Risiken gut abgewogen wurden.
Die CT-Angiographie ist eine nicht-invasive Methode, bei der ein Kontrastmittel in die Vene injiziert wird. Anschließend werden computergesteuerte Röntgenaufnahmen erstellt, die zur Rekonstruktion eines dreidimensionalen Bildes der Koronararterien dienen. Die im Vergleich zur invasiven Koronarangiographie geringere Auflösung kann zu falsch-negativen Befunden führen. Insbesondere besteht die Gefahr, dass die feinen Merkmale einer SCAD übersehen oder fälschlicherweise als Atherosklerose diagnostiziert werden können. Die CT-Angiographie wird nach der Akutphase oft auch benutzt, um mit SCAD assoziierte Erkrankungen anderer Gefäße zu suchen. Risiken sind allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel.
Eine Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglicht die Erstellung detaillierter Bilder des Herzens mithilfe starker Magnetfelder und Radiowellen, ohne dabei eine Strahlenbelastung zu verursachen. Da die Koronararterien bei dieser Methode nicht präzise dargestellt werden können, eignet sie sich nicht primär zur Diagnose einer SCAD. Sie kann jedoch hilfreich sein, um bei unklaren Fällen zwischen einem Herzinfarkt und einer anderen akuten Herzerkrankung wie einer Herzmuskelentzündung zu unterscheiden. Zudem ermöglicht die MRT die Bestimmung der Infarktregion sowie die Bewertung der Herzfunktion und möglicher Schäden. Darüber hinaus wird sie zur Verlaufskontrolle eingesetzt und unterstützt die Diagnose von SCAD-assoziierten Erkrankungen wie der Fibromuskulären Dysplasie (FMD) in verschiedenen Gefäßen.
Genetische Tests bei SCAD sind ein relativ neues Forschungsgebiet und werden derzeit nicht routinemäßig empfohlen. Der Grund dafür ist die begrenzte Anzahl genetischer Marker, die zudem nicht spezifisch genug für SCAD sind. Dennoch können solche Tests in bestimmten Fällen sinnvoll sein, etwa bei familiärer Vorgeschichte von SCAD oder anderen Gefäßdissektionen, bei wiederholten SCAD-Ereignissen oder bei Verdacht auf eine erbliche Bindegewebserkrankung. Ihr potenzieller Nutzen liegt darin, Personen mit erhöhtem SCAD-Risiko sowie deren Familienangehörige zu identifizieren, um eine gezielte Nachsorge und Prävention zu ermöglichen. Wichtig ist jedoch, dass die Interpretation solcher Tests komplex ist und Expertise in Genetik sowie SCAD erfordert.
Fazit:
Die Koronarangiographie bleibt der Goldstandard zur Diagnose von SCAD. Ergänzende Verfahren wie IVUS und OCT liefern wichtige Details zur Gefäßwand und Dissektion. Die CT-Angiographie ist im Vergleich dazu weniger präzise und ihr Stellenwert zur Diagnosestellung und Verlaufskontrolle einer SCAD ist noch nicht abschließend geklärt. MRT dient bei unklaren Fällen der Unterscheidung zwischen Herzinfarkt und Herzmuskelentzündung und kann bei der Nachsorge zum Einsatz kommen.